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Jul
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12.07.2011: Anti-Slam Köln #1

Der 12.07. ist der zweite Dienstag im Monat, ist also wieder mal Tsunami-Slam-Tag. Und im Juli heißt das zum ersten Mal „Anti-Slam“. Der schlechteste Poet gewinnt. Und natürlich mag sich jetzt der eine oder andere denken, dass man für schlechte Poeten ja gar nicht zu kommen braucht. Völlig falsch.

Zum einen nimmt das Verfahren, den schlechtesten weiterkommen zu lassen, nämlich einen der Hauptkritikpunkte am Poetry Slam heraus. Poetry Slam sei Mainstream geworden, die Texte nur noch Aneinanderreihung von massentauglichen Pointen, tiefe Emotionen können nicht punkten, etc. Ist natürlich alles quatsch, kann uns aber gar nicht erst vorgeworfen werden. Denn wer bei uns zu gut beim Publikum ankommt, der fliegt ganz einfach raus.

Zum anderen haben natürlich auch Trash und Anarchie ihren Reiz. Das Zelebrieren des schlechten Geschmacks. Das bewusste Auskosten der Peinlichkeit. Fremdschämen.

Und dann sind unsere Poeten eigentlich natürlich auch noch alles andere als schlecht. Der Großteil der acht Teilnehmer, die sich für unsere Premiere angekündigt haben, qualifiziert sich regelmäßig für die Deutschsprachigen Meisterschaften des Poetry Slams. Einer hat diese sogar schon einmal gewonnen. Vier der acht moderieren regelmäßig Slams und/oder Lesebühnen. Aber wer kommt denn überhaupt? Dieser Artikel wird innerhalb der kommenden Woche regelmäßig aktualisiert, um nach und nach alle acht Teilnehmer vorzustellen.

    • Alexander Bach ist Autor und Moderator von Poetry Slams in Köln, Bergisch Gladbach und Rösrath, sowie der Lesebühne Witwentröster in Bonn. Geboren in Düsseldorf, aufgewachsen in Köln, war sein Hang zur Zwiespältigkeit nicht mehr zu verhindern. Und so handeln seine Texte dann mal von Exorzismen, penetranten Phone Bitches und Gummipuppen, mal von melancholischeren Themen wie aufkeimender Liebe oder schmerzhafter Trennung. Beide Extreme beherrscht er ausgezeichnet, was die Frage aufwirft, was er uns beim Anti-Slam präsentieren wird. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken mag, kommt er diesmal auch nicht alleine. Das könnte interessant werden.
    • Jan Coenen ist eine Hälfte des fulminanten Slam-Teams „Die Siamesischen Drillinge“, das regelmäßig letzte Plätze bei Poetry Slams und Offenen Bühnen abräumt. Wenn er allerdings alleine loszieht, ist der Exil-Mönchengladbacher, der in Bonn studiert, meistens ganz weit vorne mit dabei. Mal zieht er aus, um das Lernen zu fürchten, mal will er Kaiser werden, mal hinterfragt er die Formulierung, wir hätten doch von nichts gewusst. Nach ersten Erfolgen im U20-Bereich (fünfter Platz bei den Deutschen Meisterschaften 2006 in München) ist der passionierte Besucher eines Schleswig-Holsteiner Metal-Festivals seit Jahren auch bei den „Großen“ erfolgreich. Bei den Deutschen Meisterschaften 2011 in Hamburg tritt er übrigens für einen Kölner Slam an, den Dichterkrieg im Sonic Ballroom.
    • Anke Fuchs  ist dem Tsunami-Slam Fan natürlich schon vom ersten Kölner Songslam Saitenliebe, den sie zusammen mit Florian Cieslik moderiert, ein Begriff. Außerdem kann man sie von ihrer monatlichen Lesebühne Poetry Bites kennen, die mit wechselnden Gästen im zwoeinz stattfindet. Oder von ihrer anderen monatlichen Lesebühne Ein Abend namens Gudrun, die sie mit Nico Walser, Christian Gottschalk, Cris Revon, Armin Bings und Quichotte in der Wohngemeinschaft ausrichtet. Aber auch, wenn sie selbst anmoderiert wird, macht die Kölnerin eine gute Figur. Ihre überwältigend ruhigen Texte bringen sie zu Recht regelmäßig zu den NRW-Meisterschaften (Finale 2008 und 2009) und zu den Deutschsprachigen Meisterschaften (Halbfinale 2008 und 2010). Auch sie wird 2011 von einem Kölner Slam nach Hamburg geschickt, nämlich von Reim in Flammen.
    • Claas Neumann lernte lesen und schreiben. Später hat er auch noch vorlesen lernen müssen. Das macht er mittlerweile überall, wo man ihn lässt. Manchmal sogar als Team Textosteron mit Tilman Döring. Meistens wacht er morgens in Essen auf. Diese Stadt steht auch als Wohnsitz in seinem Personalausweis. Um sich revanchieren zu können veranstaltet er in Zusammenarbeit mit Sushi da Slamfish mittlerweile Poetry Slams und Artverwandtes in Essen, Moers und Mülheim a.d. Ruhr. Just während ich diese Zeilen von seiner Myspace-Seite herüberkopiere, wird er übrigens gerade 30 Jahre alt. Dazu darf man ihm gerne auch beim Anti-Slam noch nachträglich gratulieren und ihm Geschenke in die Hand drücken. Oder ihn bemitleiden. Je nachdem.
    • Mario Rembold aus Bergisch Gladbach ist seit zehn Jahren Sänger der Gruppe Melancholodic. Poetry Slams besucht er noch nicht so lange, tatsächlich ist er erst seit wenigen Monaten dabei – das allerdings durchaus erfolgreich. Hin und wieder verschluckt der studierte Biologe die Welt, manchmal erklärt er sie auch einfach nur. Seine Texte sind eine Mischung aus Science-Fiction, Kabarett und Enthüllungsjournalismus. Mittlerweile wohnt er übrigens in Trier.
    • Lasse Samström. Punk. Slampurist. Vollkontaktpoet. Erfinder der Schüttelprosa, der Lay-Down Poetry und des Brachialcharmes. Gewinner der Deutschsprachigen Meisterschaften 2002 parallel im Einzel- und Teamwettbewerb. Gewinner der Kroatischen Meisterschaften 2002. 2004 eine halbe Stunde lang Weltmeister. Schon Mitte der 90er veranstaltete er in Aachen Lesungen, weil Lyrik gehört werden muss, nicht gelesen werden darf. 1997 stieß er dann zum in Deutschland damals noch blutjungen Poetry Slam. Und blieb da. Sehr erfolgreich. Dabei ist ihm Gewinnen überhaupt nicht wichtig, vielmehr geht es ihm einfach darum, seine Gedichte zu präsentieren. So gesehen ist er beim Anti-Slam genau richtig.
    • Michail Verskajn ist ein wahnsinniger Mensch. Ein wahnsinniger Russe, wenn man unbedingt den Schwerpunkt darauf legen möchte.  Außerdem ein vielbeschäftigter wahnsinniger Russe. Er ist Barkeeper, passionierter Karaokist, Sänger von The Abkühlende Heizkörper, Präsident der Turbojuden Swerdlowsk, und zusammen mit Bastian Reichardt moderiert er Sex, Drugs & Poetry, den dreckigsten Poetry Slam Deutschlands. Das wird lustig.
    • Jan Philipp Zymny ist selbsternannter Sozialautist und ein Drittel der „Hooters Girls“. Also jetzt des Slamteams, nicht der Belegschaft dieser Amerikanischen Dinerkette. Mit seinem 93er Jahrgang ist er der jüngste Teilnehmer des Abends und slammt auch erst seit einem Jahr, das allerdings extrem erfolgreich, Teilnahme an den Deutschsprachigen Meisterschaften 2011 (qualifiziert in Hagen) und an den NRW-Meisterschaften in Köln (qualifiziert in seiner Heimat Wuppertal) sind bereits sicher. Der unglaubliche Jan Philipp Zymny schreibt gerne Haikus, berichtet von den Märchen seines Opas oder übersetzt seine Gedichte per Internet und freut sich über den himmelschreienden Quatsch, der dabei herauskommt. Freut Euch mit ihm.
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3 Responses to “12.07.2011: Anti-Slam Köln #1”


  1. 1 Cathérine
    10. Juli 2011 um 5:03 pm

    Ich freue mich sehr sehr auf dieses Spektakel !

  2. 11. Juli 2011 um 9:46 am

    Dafür fahre ich sogar extra bis nach Kölle, freu mich drauf.

  3. 3 Zwicki
    11. Juli 2011 um 4:03 pm

    Das wird zwar knapp werden, bis 17.00 Uhr arbeiten, nach Hause, Duschen Essen umziehen, ca.120 km Anreise, aber ich werde es versuchen


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